25 % bekamen ein Jahr lang kein Feedback!

Jede vierte Person hat laut McKinsey HR Monitor 2025 im letzten Jahr gar kein Feedback erhalten. Was in dieser Lücke passiert — und was Formate wie Pixars Braintrust oder Speedback ändern können.

73 % der Unternehmen im DACH-Raum nutzen das jährliche Mitarbeitergespräch als primäres Feedback-Instrument. Nur 18 % setzen auf kontinuierliche Feedbackprozesse. Und laut McKinsey HR Monitor 2025 hat jede vierte mitarbeitende Person im letzten Jahr kein einziges Feedback erhalten.

Nicht zu wenig. Einfach gar keines. Zero. Das schockiert mich wirklich.

Was in dieser Lücke passiert

Warum ist das, gelinde gesagt, ungünstig? Spannungen brauchen ein Ventil. Wenn keines da ist, suchen sie sich einen anderen Weg. Menschen gehen die Konflikttreppe runter. Leise. Erst zieht sich jemand zurück, dann sinkt die Motivation, dann kommt die stille Kündigung.

51 % der Mitarbeitenden nennen Führungsverhalten und Unternehmenskultur als Hauptursache für fehlende Leistungsbereitschaft. Das ist kein Kompetenzproblem. Es ist ein Kulturproblem. Und genau deswegen braucht es niedrigschwellige Räume für Aussprache. Keine Leader, die alles lösen sollen. Strukturelle Lösungen.

Das Paradoxe daran: Dieselben Unternehmen nennen Mitarbeiterbindung als Top-Priorität der nächsten Jahre. Ich frage mich, wie Bindung entstehen soll in Strukturen, die von falscher Harmonie und schwelenden Konflikten geprägt sind — in denen Feedbackgespräche, Erwartungen, aktuelle Stimmung und Probleme nur einmal im Jahr stattfinden dürfen.

Was wir tun können

Feedback muss ritualisiert werden. So, dass Kritik zu formulieren irgendwann zu den normalsten Dingen überhaupt gehört. Das ist ein Prozess und braucht Zeit. Aber irgendwo muss man anfangen.

Pixar macht das seit Jahren mit dem Braintrust Meeting, einer regelmäßigen Runde, in der Filmteams offenes, direktes Feedback zu laufenden Projekten bekommen. Keine Hierarchie, keine Beschönigung. Das Prinzip dahinter ist simpel: Ehrlichkeit braucht ein Format.

Das Speedback-Format bietet sich hier an. Kurze, strukturierte Feedbackrunden im Team, regelmäßig stattfindend, ohne großen Aufwand. Öfter, regelmäßiger, direkter als das Jahresgespräch. Kein stundenlanger Review, keine Bewertungsskalen. Fünfzehn Minuten, klare Fragen, echter Austausch.

Und Leaders, die bereit sind, sich darin zu zeigen, ihre Rolle kritisch zu hinterfragen und Räume auf Augenhöhe zu schaffen. Eine wöchentliche offene Tür — auch kurz, auch informell — sendet ein klares Signal: Hier darf gesprochen werden.

Das ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber schon mal mehr als das, was viele Unternehmen gerade tun.


⚠️ Quellenhinweis: Der Hays HR-Report 2026 ist eine Branchenumfrage eines Personaldienstleisters. Hays profitiert direkt von HR-Investitionen, die Daten sind nicht peer-reviewed. Bitte als Branchenindikator lesen, nicht als wissenschaftliche Studie. Gleiches gilt für den McKinsey HR Monitor 2025.

Moritz ist Feedbacktrainer in Berlin — er begleitet Teams dabei, Räume zu schaffen, in denen ehrliche Gespräche möglich sind.

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