Bist du der Safety Champion deines Teams?

Eine einzige Person kann die Performance eines ganzen Teams verändern — nicht durch Titel oder Autorität, sondern dadurch, dass sie spricht, wenn andere schweigen. Über Fyhn et al. (2023) und wie man den Safety Champion im Team erkennt und stärkt.

Eine Studie zeigt: Eine einzige Person kann die Performance eines ganzen Teams verändern. Nicht durch Titel oder Autorität. Sondern dadurch, dass sie spricht, wenn andere schweigen.

Eine Studie hat mich wirklich überrascht

Ich war ziemlich erstaunt, als ich von einer Studie erfuhr, die untersucht, wie eine einzelne Person die Performance eines ganzen Teams beeinflussen kann.

Fyhn et al. (2023) haben 160 norwegische Managementteams untersucht und dabei etwas Bemerkenswertes gefunden: Wenn sich ein Mensch durchschnittlich sicherer fühlt als der Rest seines Teams — und dadurch in der Lage ist, kritische Punkte anzusprechen, auf Fehler hinzuweisen und diese auch selbst einzugestehen — korreliert das mit besserer Teamperformance. Fyhn selbst nennt diese Person nicht direkt Safety Champion, aber der Begriff trifft es gut genug, um ihn hier zu verwenden.

Ziemlich verrückt, dass eine einzelne Person so einen Unterschied machen kann.

Noch interessanter ist ein weiterer Befund der Studie: Fyhn findet, im Gegensatz zu Edmondson, einen direkten Zusammenhang zwischen psychologischer Sicherheit und Performance. Edmondson beschreibt Learning als Zwischenschritt — höhere PS führt zu mehr Lernen, mehr Lernen führt zu besserer Performance. Fyhn belegt eine direkte Korrelation. Ob das an unterschiedlichen Messmethoden liegt oder einen echten inhaltlichen Unterschied zeigt, bleibt offen. Aber es macht den Befund nicht weniger spannend.

Was macht ein Safety Champion?

Ein Safety Champion stellt die unbequemen Fragen, die andere nicht stellen. Gesteht eigene Fehler vor dem Team ein. Bringt widersprüchliche Meinungen ein. Spricht, wenn andere schweigen.

Und das Entscheidende: Andere sehen, dass Sprechen keine negativen Konsequenzen hat. Das gibt ihnen implizit die Erlaubnis, es auch zu tun.

Wer ist der Safety Champion in eurem Team?

Wie kann man diese Champions identifizieren, empowern und von ihnen lernen? Ich kann das auch nur bedingt beantworten. Aber ein paar Ansätze, die ich sinnvoll finde.

Der erste Schritt ist eine Befragung auf Einzelebene. Dafür eignet sich der angepasste Fragekatalog aus der Studie von Fyhn et al., den ich für die Befragung von Einzelpersonen leicht umformuliert habe. Statt „in diesem Team" beantwortet jede Person die Fragen für sich selbst:

  1. Ich fühle mich sicher, in unserem Team Risiken einzugehen.
  2. Es fällt mir leicht, andere Teammitglieder um Hilfe zu bitten.
  3. Ich kann Probleme und schwierige Themen in unserem Team ansprechen.
  4. Ich fühle mich sicher, meine Meinung offen zu äußern.
  5. Es gibt Raum, Unsicherheit in unserem Team auszudrücken.

Von dort aus ins Gespräch gehen. Das lässt sich gut in einem Workshop erreichen, in dem sich das Team anonym auf die vier Stufen der psychologischen Sicherheit einordnet und danach gemeinsam spricht:

„Wieso bist du deiner Meinung nach gerade auf dieser Stufe? Was bräuchte es für dich, um auf die höheren Stufen zu kommen?"

Wenn man dadurch einen Champion identifiziert hat — oder einfach merkt, wer diese Rolle bereits übernimmt: diese Person gezielt ansprechen, loben und stärken. Gerade hier ist es wichtig, dass das von Führungskräften kommt. Wertschätzung von oben sendet ein klares Signal an das ganze Team.

Natürlich wäre das Ziel, dass sich irgendwann alle sicher fühlen, kritische Dinge anzusprechen. Aber bis dahin sollten wir die Menschen, die es bereits tun, sehen, loben und in dieser Rolle bestärken.


⚠️ Quellenhinweis: Fyhn et al. (2023) ist eine Querschnittsstudie mit norwegischen Managementteams. Keine Kausalität beweisbar, kulturell eingeschränkt generalisierbar. Der Safety-Champion-Befund ist explorativ und nicht statistisch getestet. Bitte als Denkanstoß lesen, nicht als gesichertes Kausalmodell.

Moritz ist Experte für psychologische Sicherheit — er arbeitet mit Teams und Leaders an einer Kommunikationskultur, die wirklich trägt.

← Alle Beiträge