Speedback: Feedback als Ritual
Die einfachste Methode, um Feedback zur Gewohnheit zu machen: 15 Minuten, zwei Fragen, wechselnde Paare. Klingt simpel — und das ist genau der Punkt.
Speedback ist die einfachste Methode, um Feedback zur Gewohnheit zu machen. 15 Minuten, zwei Fragen, wechselnde Paare. Klingt simpel — und das ist genau der Punkt.
Warum Speedback?
Kontinuierliches Feedback braucht kein aufwändiges Format. Es braucht eines, das kurz genug ist, um es wirklich regelmäßig zu machen, gut genug vorstrukturiert, um den Einstieg leicht zu machen, und offen genug, um auch Menschen zusammenzubringen, die sonst wenig miteinander reden.
Speedback erfüllt das alles. Und es funktioniert genauso gut remote — vorausgesetzt, man kann schnell Breakout-Rooms oder separate Channels einrichten.
Ablauf
Zu Beginn erklärt die Moderation den Ablauf und ein paar grundlegende Feedbackregeln. Zum Beispiel: Sei spezifisch. Lass Nachfragen zu. Begründe mit gewaltfreier Kommunikation, wie dich das Verhalten deines Gegenübers beeinflusst hat.
Dann finden sich alle in 2er-Paaren zusammen. Eine Person beginnt mit Feedback, strukturiert entlang zwei einfacher Fragen:
- I like… — Was mag ich an deiner Arbeit?
- I wish… — Was wünsche ich mir von dir?
Ablauf je Paar: 2 Minuten Feedback geben, dann Rollentausch, dann 5 Minuten gemeinsames Gespräch — danach neue Paare, so oft die Zeit es erlaubt.
Ziel ist ein regelmäßiger Austausch von Lob und Kritik zwischen möglichst vielen verschiedenen Menschen im Team.
Was in der Praxis hilft
Aus meiner Erfahrung funktioniert es besonders gut, wenn es einen gemeinsamen Basis-Channel gibt, in den alle zurückkommen, nachdem ihre Paarung beendet ist. Von dort aus teilen sich die Menschen selbst neue Paare auf. Die Moderation kann dabei etwas nachhelfen.
Wenn ein Paar länger als fünf Minuten braucht, muss das nicht sofort unterbrochen werden. Aber die Moderation kann kurz in den Channel schreiben: Kommt bitte zum Ende, ihr könnt gerne noch einen Folgetermin ausmachen.
Feedbackformate wie dieses beruhen auf Freiwilligkeit. Wer einen schlechten Tag hat, muss nicht mitmachen — sollte das aber vorher sagen und einen Kanal offenhalten: Wenn ihr etwas für mich habt, meldet euch gerne morgen, und wir telefonieren kurz. Diese Menschen können das Treffen dann verlassen.
Was am Anfang kommt
Gerade wenn Speedback neu eingeführt wird, hört man oft: Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich habe gerade kein Feedback für diese Person.
Das ist völlig okay und verständlich. Erst über Zeit — wenn dieses Meeting zum Beispiel alle zwei Wochen stattfindet — werden Menschen anfangen, Dinge in der Zwischenzeit zu sammeln und hier zu kanalisieren. Es braucht also etwas Geduld und Zuversicht für den Prozess als Moderation.
Man kann Menschen auch bitten, sich kurz vorzubereiten und für jede Person im Team ein bis zwei Punkte parat zu haben. Selbst wenn der Raum nicht die ganze Zeit für Feedbackaustausch genutzt wird, kann er für Beziehungsarbeit und längere Check-ins funktionieren — was für ein gesundes Teamgefüge genauso essentiell ist.
✍️ Zur Methode: Diese Methode wurde auf Basis von Workshop-Erfahrung beschrieben. Für Fragen oder Feedback zur Methode: moritzfeedback@proton.me
Moritz ist Feedbacktrainer in Berlin — er begleitet Führungskräfte dabei, Räume zu schaffen, in denen ehrliche Gespräche möglich sind.